Sie befinden sich aktuell in den Archiven des Blogs Hans-Arved Willberg für November, 2010.
| M | D | M | D | F | S | S |
|---|---|---|---|---|---|---|
| « Okt | Dez » | |||||
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 |
| 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 |
| 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 |
| 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 |
| 29 | 30 | |||||
- An(ge)dacht (51)
- Gedichte und Aphorismen (4)
- Intro (2)
- Predigten und Vorträge (6)
- Seelsorge (1)
Schulung & Beratung
Archive für November 2010
Wort zur Woche
29.11.2010 von Hans-Arved Willberg.
Erster Advent
Wochenspruch: “Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.” Sacharja 9,9
Leitmotiv: Gott kommt in Christus zu uns Menschen
Der König auf Augenhöhe. Nicht der König auf dem hohen Ross. Der menschliche König. Der Menschenfreund. Gerecht, weil er hilft. Er geht nicht an der Not vorüber. Und er geht nicht darüber hinweg.
Warum kann in Haiti nicht geholfen werden? Weil es den Mächtigen nicht darum geht, dass die Not abgewendet wird. Es geht ihnen um den Ausbau ihrer Macht.
Gerecht ist, wer verantwortlich handelt. Warum wird immer noch so wahnsinnig viel Geld für die Rüstung ausgegeben und so wenig gegen Hunger und Armut getan? Warum müssen jetzt Panzer in die Favelas rollen?
Advent: Friedenszeit. Friede wird, wo Gerechtigkeit wird. Stille Zeit. Zeit des Hörens. Er kommt. Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr weit. Wo schimmert Licht? Zeit der Hoffnung und des Dankens.
Hans-Arved Willberg
Geschrieben in An(ge)dacht | Keine Kommentare »
Wort zu Woche
22.11.2010 von Hans-Arved Willberg.
Ewigkeitssonntag
Wochenspruch: “Laßt eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.” Lukas 12,35
Leitmotiv: Das ewige Zuhause
“Umgürtete Lenden”: Das bedeutet Lauf- und Kampfbereitschaft. Hellwach sein. Ganz da sein. Geistesgegenwärtig.
Was ist dran? Was fordert mich heute heraus? Was spricht mich an, damit ich Antwort gebe? Alles Schwierige ist Provokation: Es fordert heraus. Es ist der Anspruch des anspruchsvollen Lebens. Es spricht mich an, indem es sich mir in den Weg stellt.
Anspruchsvoll wird das Leben dadurch, dass wir dem, was uns anspricht, konstruktiv antworten. Hier droht jedoch eine fatale Verwechslung, die wahrscheinlich ein Hauptgrund für sehr viel schwere und leidvolle Unzufriedenheit in unserer Gesellschaft ist: Wenn du den Anspruch, den du an dein Leben stellst, mit dem Anspruch verwechselst, den das Leben an dich stellt. Das Leben ist nicht für dich da, sondern du bist für das Leben da! Und wenn du für das Leben da bist, wird das Leben auch für dich da sein.
Wenn ich der Anrede des Lebens angemessen antworte, dann bin ich im Leben zuhause. Hier, auf dem Weg, und dann, am Ziel.
Hans-Arved Willberg
Geschrieben in An(ge)dacht | Keine Kommentare »
Wort zur Woche
15.11.2010 von Hans-Arved Willberg.
Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres
Wochenspruch: “Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.” 2. Korinther 5,10
Leitmotiv: Die letzte Verantwortung
Ja, es muss sein. Irgendwann muss die Wahrheit sich völlig durchsetzen, auch bei mir. Irgendwann müssen alle Fragen beantwortet sein. Irgendwann muss das Recht vollkommen werden. Dass keiner mehr übersehen und übergangen wird. Dass alle zu Unrecht Vergessenen in Erinnerung kommen. Dass die Gräber sich auftun. Dass die Massengräber in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit geraten und niemand wegschauen kann. Dass die namenlosen Toten mir von Angesicht zu Angesicht begegnen und ich ausnahmslos jede und jeden als Schwester und Bruder Mensch erkennen muss. Im tiefsten Herzen berührt, bewegt, umgetrieben vom Unrecht, das ihm widerfuhr. Irgendwann muss das Vergessen, Verdrängen und Verleugnen ganz und gar zuende sein. Irgendwann muss ich auf dem Folterhügel stehen und nicht davonlaufen, bis Gott, mein Bruder Mensch, sich in den Tod geschrieen hat an meinem Nagelgalgen. Irgendwann muss ich schuldig gesprochen werden, ohne Beschwichtigung, ein für alle mal. Vor dem Richterstuhl Christi. Umschlossen von seinen blutigen Armen. Nachhause geholt. Endlich drüben, endlich daheim.
Hans-Arved Willberg
Geschrieben in An(ge)dacht | Keine Kommentare »
Wort zur Woche
7.11.2010 von Hans-Arved Willberg.
Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres
Wochenspruch: “Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils.” 2. Korinther 6,2
Leitmotiv: Das kommende Gottesreich
Wenn jetzt, dann heißt das: Hier und heute und unter den gegebenen Umständen. Nicht so, wie ich es mir idealerweise vorstelle. “Das Reich Gottes ist mitten unter euch”, sagte Jesus, als die Römer das Land beherrschten und die Spannung immer mehr wuchs, bis sie sich im Jüdischen Krieg entsetzlich blutig entlud, bis hin zur völlligen Zerstörung Jerusalems mitsamt dem Tempel. Die meisten verkannten ihn, auch seine engsten Freunde verstanden ihn kaum. Darum starb er am Kreuz, verurteilt aufgrund von Vorurteilen, übler Missgunst und dem Fehlurteil einer oberflächlichen, menschenverachtenden Justizmaschinerie. Das Reich Gottes war auch dann noch mitten unter uns, als es in der Stunde seines Sterbens finster wurde in der Welt wie nie zuvor und nie danach. Zeit der Gnade, Tag des Heils?
Ja, heute. Anscheinend liegt es an mir, wie ich die Zeichen deute. Alles, was mir widerfährt, fordert mich heraus, eine Antwort zu suchen, die dem Ereignis Sinn gibt. Eine Antwort der Hoffnung. So, dass gute Schritte auf meinem guten Weg darauf werden. So, dass ich heute abend sagen kann: Ich habe die Chance dieses einen Tages heute gesehen und ergriffen. Ich habe mich nicht entmutigen lassen. Ich habe ein kleines Meisterwerk der Lebenskunst daraus gemacht.
Hans-Arved Willberg
Geschrieben in An(ge)dacht | Keine Kommentare »