Sie befinden sich aktuell in den Archiven des Blogs Hans-Arved Willberg für Februar, 2011.
- An(ge)dacht (51)
- Gedichte und Aphorismen (4)
- Intro (2)
- Predigten und Vorträge (6)
- Seelsorge (1)
Schulung & Beratung
Archive für Februar 2011
Wort zur Woche
28.2.2011 von Hans-Arved Willberg.
Sexagesimä
Wochenspruch: “Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht.” Hebräer 3,15
Leitmotiv: Wie es wirkt, wenn Gott spricht
Verstocken ist Verschließen. Öffnung zur Wahrheit hin ist ein Zirkel: Weil ich höre, verschließe ich mich nicht. Weil ich mich nicht verschließe, kann ich hören.
Was ist denn heute seine Stimme? Was ist denn heute Wahrheit? Menschlichkeit! Der postmoderne Wahrheitsrelativismus funktioniert doch nur im Elfenbeinturm. Wenn er ethisch umgesetzt wird, offenbart er sich als Unmenschlichkeit. Nein? Gibt es keine Wahrheit? Dann ist also auch die Unmenschlichkeit in Wahrheit ein Relativum? Hitler? Gaddafi?
Was ist Wahrheit in der Guttenbergaffäre? Die Richtigkeit der Beschuldigungen? Die Richtigkeit der Rechtfertigungen? Die Einschätzung Guttenbergs durch 75 % der deutschen Bürger oder die Einschätzung der Journalisten und der politischen Opposition? Ist Wahrheit Recht haben?
Wenn wir heute Gottes Stimme hören, zeigt sich die Wahrheit auf höherem Niveau, will ich meinen. Wahrhaft unmenschlich finde ich es, wenn ein Oppositionsführer Guttenberg noch in der Anfangsphase des Enthüllungsprozesses mit Berlusconi gleichsetzte. Und ein anderer mit Felix Krull. Was unter die Gürtellinie geht, ist doch wohl nicht wahrheitsfördernd, oder? Unmenschlich ist es allenthalben.
Die Wahrheit im Sinne von Richtigkeit muss gefunden werden im Fall Guttenberg, daran kann es keinen Zweifel geben. Auch wenn ihn das den Ministerposten kostet. Aber der Umgang mit dem bloßgestellten Menschen Guttenberg ist die bedeutendere Wahrheitsfrage, die Gretchenfrage für bekennende Demokraten, die sie doch alle miteinander sind, schlechthin: Wie hältst du’s mit der Menschlichkeit?
Hans-Arved Willberg
Geschrieben in An(ge)dacht | Keine Kommentare »
Wort zur Woche
19.2.2011 von Hans-Arved Willberg.
Septuagesimä
Wochenspruch: “Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.” Daniel 9,19
Leitmotiv: Lohn und Gnade
Das betet Daniel, der biblischen Historie nach einer der mächtigsten Politiker in der Glanzzeit des antiken persischen Hofs. Gut gebetet! Weil unsere Gerechtigkeit so furchtbar schnell und leicht gnadenlos unbarmherzig wird und sich dadurch in Unrecht verwandelt: Selbstgerechtigkeit, Vorverurteilung, Arroganz, Süffisanz, Spott, Zynismus, Besserwisserei.
Ich schlage ein Viertelstündchen des stillen Gebets für die gehetzten Journalisten und Politiker vor, die hetzen, wer ihnen gerade in den Weg kommt, egal, wie unbescholten er bislang gewesen sein mag, wenn sie nur einen Anlass finden können. Ich schlage vor, dass sie sich ein wenig ins Kämmerlein zurückziehen, um ein wenig zur Besinnung zu kommen, und sei es nur für ein paar Augenblicke auf dem stillen Ort. Mögen sie ihr dortiges Produkt zum Gegenstand des Meditierens machen: Ist es nicht wirklich Scheiße (man verzeihe mir dies Wort am öffentlichen Ort, aber mir fällt kein vergleichbar treffendes ein), einen unbescholtenen Spitzenpolitiker, einen Hoffnungsträger unserer Demokratie, schon mal vorab in der Luft zu zerreißen, weil Unstimmigkeiten in seiner Doktorarbeit festgestellt wurden, die von einer höchst professionellen, ehrwürdigen, fachlich integren Wissenschaftskommission einer angesehenen deutschen Universität des höchsten Lobes würdig befunden wurde? Ihm von vornherein Betrug zu unterstellen? Ihn schon zu verurteilen, bevor man überhaupt hingehört hat, was er selbst dazu sagt? Auf Verdacht hin schon mal kräftig an seinem Stuhl zu sägen?
Närrische Tage sind das gerade. Wenn Narren an der Macht sind, müssen sie verschwinden. Einer ging gerade, die Stühle anderer wackeln sichtlich. Was für eine großartige Macht der Menschlichkeit, die sie zum Abdanken zwingt. Wie stolz können wir auf unsere Mitbürger in den “neuen Bundesländern” sein, dass sie diesen Weg so mutig vorangegangen sind, vorbildlich für die Demokraten in aller Welt. Durch den solidarischen Schulterschluss der menschlichen Verbundenheit wird Freiheit möglich. Und echte Demokratie.
Den heutigen persischen Großmächtigen gelingt es immer schlechter, die Welt zum Narren zu halten. Die Freiheit der Medien spielt dabei eine entscheidende Rolle. Um so größer ist die Verantwortung der Medienmächtigen. War vielleicht der hässliche Angriff auf die journalistische Freiheit in Ungarn ein notwendiger Schuss vor den Bug? Ein Enthüllungsjournalismus, dem es immer zunächst einmal nur um die nackten Tatsachen geht, egal, wie tatsächlich sie sind, enthüllt sich selbst als ethisch äußerst fragwürdig. Julian Assange ist kein Freiheitsheld und den moralischen Pharisäismus im Journalismus finde ich (auch hier fällt mir leider kein passendes Synonym ein) zum Ko… (ah, ja doch, es gibt eins:) zum Erbrechen. Der demokratische Journalismus beansprucht Narrenfreiheit und tut gut daran. Aber zu den Kennzeichen des politischen Narrentums gehörten seit jeher Respekt und Konstruktivität. Destruktive Vorab-Polemik im Namen der Narrenfreiheit ist närrisch. Wir wollen nicht von den Politikern zum Narren gehalten werden, aber von den Journalisten genau so wenig.
Hans-Arved Willberg
Geschrieben in An(ge)dacht | Keine Kommentare »
Wort zur Woche
15.2.2011 von Hans-Arved Willberg.
Letzter Sonntag nach Epiphanias
Wochenspruch: “Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.” Jesaja 60,2
Leitmotiv: Die Verklärung Jesu
Verklärung ist größtmögliche Klarheit. Glasklare Wahrheit. Klarer Durchblick. Als die Engel zu den Hirten kommen, umleuchtet sie “die Klarheit des Herrn”. “Und sie fürchteten sich sehr.” Ist doch klar, oder? Bei all dem Ungeklärten unter ihnen. Oder Petrus auf dem Berg der Verklärung: “Alles klar, Chef, ich bau schon mal ein paar Hütten, für dich und Onkel Mose und Bruder Elia.” Hütten bauen, wenn sich der Himmel öffnet… Doch, Petrus, du spinnst nicht einfach bloß. Du suchst Schutz. Du kommst dir höchst unangenehm durchleuchtet vor. Wenn jetzt auf einmal alles nur noch Wahrheit wird…
Ach ja, wie singen wir gleich wieder: “Oh komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein. Verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein.” Wenn wir es überhaupt singen. Wenn wir uns nicht in ziemlich unklare Gefühlswolken hinaufjubeln, abheben, den Boden unter den Füßen verlieren.
Nichts da. Der Geist der Klarheit und Wahrheit macht extrem nüchtern.
“Gieß aus dein heilig Feuer, zünd Herz und Lippen an.” Will ich das? An Jesaja denke ich. “Heilig, heilig, heilig” singen die Engel ganz unten am Rockzipfel Gottes im Tempel und das Krümelchen Jesaja kann nicht weglaufen. “Weh mir, ich verbrenne!” Er schreit vor Angst. Welch erhebender Augenblick…
Oder sollen nur die andern brennen? Mal so richtig durchläutert werden?
Lass uns tapfer trotzdem beten um den Geist der Wahrheit und Klarheit. Denn wenn wir nicht klar kommen, bleibt zuletzt nur noch die Angst. Oder?
Ja sagen, ehrlich werden. Immer noch ein bisschen ehrlicher. Immer noch ein bisschen klarer. Dass mir nach solchem Kampf die Sonne aufgeht.
Hans-Arved Willberg
Geschrieben in An(ge)dacht | Keine Kommentare »
Wort zur Woche
7.2.2011 von Hans-Arved Willberg.
5. Sonntag nach Epiphanias
Wochenspruch: “Der Herr wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und wird das Trachten der Herzen offenbar machen.” 1. Korinther 4,5b
Leitmotiv: Die Zeit in Gottes Hand
Schade, dass der 5. Sonntag nach Epiphanias im Kirchenjahr nur selten vorkommt - nur dann, wenn die Fastenzeit sehr spät beginnt. Es gibt nur wenig Zeit für das Thema “Zeit”. Aber um mit der Zeit gut zurechtzukomen, müssen wir uns Zeit nehmen.
Zeit nehmen: Weil Zeit zur Verfügung steht. Immer. Sofern ich frei bin zu entscheiden, ist sie da, die Zeit, und stellt sich mir zur Verfügung: “Mach mit mir, was du möchtest!” Die Zeit, mein treuer, sehr verlässlicher Diener.
Noch nie hat die Zeit einen Menschen beherrscht. Zeitdruck gibt es nicht, denn die Zeit drückt nicht. Sie dient. Sie hat immer nur die Qualität, die wir ihr geben. Ich kann sie mir nehmen und ich kann sie füllen, ausgestalten. Wie ich will.
Und darum kann ich auch jede Zeit in Gottes Hände legen, wenn ich will. Die vergangene, an der ich nichts mehr ändern kann. Damit Gott sagt: “Hab keine Angst, da rächt sich nichts. Es ist Friede, weil ich es so will. Es ist gut so, wie es ist, weil ich es sage. Friede mit dir!” Die zukünftige, weil sie noch unverfügbar ist. Damit Gott sagt: “Mach dir keine Sorge, denn ich sorge vor für dich. Ich weiß schon, was kommen wird. Und ich herrsche darüber. Es wird gut sein für dich - du wirst es sehen. Ich garantiere es dir.” Dann bin ich frei, um heute zuzugreifen: Ich bediene mich. Ich nehme die Zeit dieses Tages selbst in die Hand und mache einen vernünftigen Plan. 24 Stunden Zeit! Eine spannende Herausforderung und ein großartiges Geschenk.
Ach ja, und dann war da noch der Wochenspruch: Gott weiß, wie ich es meine, sagt er mir. Tröstlich ist das. Gott erinnert sich. Er versteht mich zutiefst. Er liebt mich wirklich. Der gute, wahre Vater.
Hans-Arved Willberg
Geschrieben in An(ge)dacht | Keine Kommentare »