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Archive für April 2011
Wort zur Woche
20.4.2011 von Hans-Arved Willberg.
Palmarum
Wochenspruch: “Der Menschensohn muß erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.” Johannes 3,14.15
Leitmotiv: Einzug des Königs
An ihn glauben heißt ihm folgen. Soweit du folgen kannst. Bis zum Menschenschlächterberg. Wo die bestialischen Tötungsbalken stehen. Bis zur hochoffiziell verordneten Tötungsprozedur: Höhnen, geißeln, bis die Fleischfetzen heraushängen, das Blut in Strömen fließt, die Ohnmacht naht. Ihn einen Tötungsbalken selber schleppen lassen, bis er zusammenbricht. Ihn weiter zerren. Die Balken in Kreuzform auf den Boden legen, zusammennageln. Ihn auf die Balken dehnen, hinschnüren. Den Nichtmenschen. Weiter höhnen, ausspucken über ihm. Gute, große Nägel nehmen. Den großen Hammer. Anheften. Aufrichten. Alles sehen, mitgequält, wahnsinnig vor Angst und Entsetzen. Bleiben. Gelähmt, schuldig, vollkommen überfordert. Mit ihm zum Ende kommen. Erdrückt von Finsternis. Erwürgt vom Leid. Zerrieben in Angst. Erdrückt von Schuld.
Aber dann! Die Tränen lösen sich. Der König kommt. Durch denTränenschleier siehst du ihn nahen. Zu deinen Füßen sinkt er hin. Ganz nah. Gelöst das furchtbar entstellte Gesicht. Der Qual endlich entronnen. Tränenbalsam. Jesus.
Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir? Einfach nur bleiben, so lang es geht. Helfen beim guten letzten Werk an dir. Schwersten Abschied nehmen. Bis das Grab sich schließt.
Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem. Ich glaube dir, ich folge dir. So weit es geht, so weit ich kann. Bis sie mit dem Hebebalken den schweren, runden Stein vor den Eingang deiner letzten Ruhestätte drücken. Bis zuallerletzt.
Und dann? Dann hört das Folgen auf. Die Tatsachen sind vollendet.
Bis er kommt und lachend deinen allzu kleinen Glauben tadelt.
Hans-Arved Willberg
Geschrieben in An(ge)dacht | Keine Kommentare »
Wort zur Woche
13.4.2011 von Hans-Arved Willberg.
Judika
Wochenspruch: “Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.” Matthäus 20,28
Leitmotiv: Dienstbereitschaft
Was ist dienlich? Was tut gut? Nicht nur mir, sondern auch dir? Nicht so, dass ich das große Tortenstück bekomme und du die Krümel, sondern wirklich brüderlich: Du ein Stück und ich ein Stück und im Zweifel bekommst du natürlich das größere? Natürlich bescheiden? Ist das schwer? Verbissen? Sind das große Opfer? Aber nein.
Der Herr aller Herren und König über alle Könige hat nur ein Interesse: Dienen. “Womit kann ich dienen?” Was für eine gute, schöne Frage. “Was kann ich für dich tun?”
Ich habe mich gewundert, als ich neulich einer Kundin zur Auffrischung des Kontakts eine Mail in diesem Sinne schrieb: “Ich möchte Sie unterstützen. Was kann ich für Sie tun? Wie können Sie meine Kompetenzen für ihre Ziele brauchen?” Das sei mit Abstand das angenehmste, freundlichste Angebot gewesen, das sie seit langem erhalten habe. Ist denn die Einstellung, nicht zu dienen, sondern bedient zu werden, wirklich so sehr verbreitet? Auch unter den Christen? Manchmal fürchte ich es. Das macht mir Angst.
Diese Haltung hat doch gar nichts Heroisches. Gar nichts Quälerisches. Natürlich, daraus kann freiwilliges Opfern entstehen, bis hin zur freiwilligen Aufopferung. Das ist ja immer so, wo wir Sinn finden. Das spornt immer an zu noch mehr, das zieht hin zur Ganzhingabe. Aber sollten wir uns davor fürchten? Was ist denn ein Leben, das ohne ganze Hingabe bleibt? Ist das nicht arm und eng?
In Lybien sind viele bereit, ihr Leben für die Freiheit zu opfern. Und sie tun es auch, jetzt wieder, in diesem Moment, wo Du das liest. Obwohl ihnen kaum jemand dient unter den Mächtigen. Warum eigentlich: Weil sie alle nur selbst bedient werden wollen? Weil sie es nicht dienlich finden, Gaddafi wirklich fallen zu lassen? Hin- und hergeschoben haben sie die Verantwortung und den Tyrannen wüten lassen gegen sein eigenes Volk. Wieder einmal. So geht die übrige Welt mit Afrika um. Oder nicht?
Und was dient den Flüchtlingen eigentlich wirklich? Und den französischen Roma? Ich wundere mich, warum anscheinend niemand so fragt in der Politik. Die Probleme ließen sich viel leichter lösen, wenn aus der Perspektive der Betroffenen gedacht und entschieden würde. Dort und überall.
Hans-Arved Willberg
Geschrieben in An(ge)dacht | Keine Kommentare »