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Archive für Mai 2011
Predigt zum Thema “Gebet”
30.5.2011 von Hans-Arved Willberg.
Predigt zum Sonntag Rogate über Lukas 11,5-13
Ort: Ev. Johannis-Paulus Gemeinde, Karlsruhe-Südstadt. Inhalt: Jesus sagt, dass wir den Heiligen Geist bekommen, wenn wir uns im Gebet Gott anvertrauen. Was das bedeutet und welche Schwierigkeiten dabei zu überwinden sind.
Geschrieben in Predigten und Vorträge | Keine Kommentare »
Wort zur Woche
28.5.2011 von Hans-Arved Willberg.
Rogate
Wochenspruch: “Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.” Psalm66,2
Leitmotiv: Das Gebet
Worum soll es mir gehen in meinem Gebet? Muss ich Gott bewegen dadurch, weil er sich sonst nicht bewegen würde? Oder sich an mir vorbei bewegen würde oder fort von mir. Oder gar gegen mich wie eine Planierraupe, die einebnet, was ihr im Weg steht? Muss ich beten, um mich vor Gott zu behaupten? Wie vertraut ist mir der Gedanke, aber wie unsinnig ist er auch.
Darum die Doppelung: Er verwirft mein Gebet nicht, aber er wendet auch seine Güte nicht von mir ab. “Mein lieber Hans-Arved”, sagt er mir, “ob du betest oder nicht: Ich bleibe dir immer gleich zugewandt. Du kannst dich auf mich verlassen. Ich bin für dich und bleibe es.”
Wenn Du jetzt denkst: “Okay, dann brauche ich ja gar nicht zu beten”, dann lass dich bitte mal ganz kurz und freundlich am Ärmel fassen, für einen Augenblick der Besinnung: Was für ein Modell vom Beten hat sich da in Dir eingenistet? Beten als Einflussnahme auf Gott zu Deinen Gunsten? Ich frage das nicht von oben herab, weil ich diese Einstellung von mir selbst sehr gut kenne. Ich mag sie nicht mehr. Das ist magisches Gebetsverständnis.
Dahinter steckt die Angst: Wenn ich nicht bete, wird Gott beleidigt sein. Wenn ich nicht bete, komme ich zu kurz. Ich muss mich durchsetzen bei Gott mit meinem Gebet, wie ein Vögelchen im Nest, das den Schnabel noch weiter aufreißt als die anderen, noch lauter plärrt, sich noch wichtiger tut. Ich habe mich mit dieser Gebetseinstellung wütend und depressiv gemacht. Denn ich habe erfahren, dass sie nicht funktioniert. Das kommt nicht aus der Dankbarkeit. Es steht kein ehrliches “Gelobt sei Gott” dahinter. Der Gott, der mich wirklich und vorbehaltlos liebt, kann das nicht bestätigen. Menschlich gesprochen: Das enttäuscht ihn wirklich. “Was machst du für ein Geschrei?” fragt er zurück. “Was tust du dich so wichtig? Warum hast du solche Angst vor mir? Habe ich dir nicht versprochen, dass ich meine Güte nicht von dir wende?”
Wenn die magische Einflussnahme aus Angst vor dem Zukurzkommen wegfällt, dann bekommt das Beten eine andere Qualität. Das Vögelchen kann nicht nur angstvoll plärren, es darf sein Schnäbelchen auch zum Singen verwenden. Es ist gut, dass der Sonntag “Rogate” nach dem Sonntag “Kantate” kommt. Singt dem Herrn ein neues Lied. Betet singend. Stimmt in den Ton der Dankbarkeit ein. Traut euch zu leben. Geht auf in eurer Berufung. Wie die Amsel auf dem Giebel. Sie versteckt sich nicht. Sie singt. Sie ist erfüllt von Gesang. Sie preist den Schöpfer und tröstet das Geschöpf. Gibt es etwas Ermutigenderes in der Natur als ihr frisches Lied am frühen Morgen? Und etwas Friedlicheres als ihr Tagesschlusskonzert bei Sonnenuntergang? So sei dein Gebet.
Hans-Arved Willberg
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Predigt “Wie aus Paaren Partner werden”
24.5.2011 von Hans-Arved Willberg.
“Wie aus Paaren Partner werden”
Predigt H.A. Willberg im Gottesdienst von “daheim in mannheim” am 21.05.2011. Ort: Cafè Sammo, Mannheim City. Ambiente: Offene Tür und Mannheimer Nachtmarathon direkt davor. Predigtbeginn: Ca. 22.00 Uhr. Interessante Predigterfahrung…
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Wort zur Woche
23.5.2011 von Hans-Arved Willberg.
Kantate
Wochenspruch: “Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.” Psalm 98,1
Leitmotiv: Die singende Gemeinde
Was ist das: “ein neues Lied”? Was ist das: “neu”? Neu schien es zu sein, den Gottesdiensten Lobpreiszeiten einzufügen. Was in charismatischen Kreisen begann, hat sich in alle möglichen Richtungen ausgebreitet. Mit “neuem” Liedgut, “neuem” Stil. Gemeindeerneuernd.
Das Paradigma der Lobpreiszeiten scheint mir den Popkonzerten entnommen zu sein. Da spielt eine Band. Sie macht Stimmung. Sie bewegt etwas im Auditorium, sucht den Dialog. Sie will Ergriffenheit erzeugen. Sie beschwört den Zauber der Einheit. Ziel ist ein Hochgefühl. Ekstase ist erwünscht. Je mehr, desto besser. Hinreißende und mitreißende Performance. Sorgen vergessen im Bad der Musik und der Menge Gleichtickender, in der Nähe angehimmelter Stars. Ansatzweise nur findet sich das alles im bescheidenen Aneinanderfügen von sentimentalen Popsongs des durchschnittlichen Gottesdienstes, ausgeprägt in der perfekten Bühnenshow einiger charismatischer Protagonisten.
Ich kenne das alles zur Genüge. Ich gehöre zur Flower-Power-Generation der 60er und 70er Jahre. Das war schon eine neue Musik, weil noch nie dagewesen. Interessanterweise übrigens mit starken Wurzeln in der seinerzeit ebenso neuen afroamerikanischen Spiritual- und Gospelmusik. Die farbigen Amerikaner hatten dem Herrn ihr neues Lied gesungen. Das stand am Anfang der neuen Epoche unserer modernen Popularmusik. Aber der Anfang ist schon eine Weile her und die atemberaubende Neuerfindung elektrisch verstärkter Instrumente hat längst ihre originäre Faszination verloren. Die Musikindustrie hat durch die Mittel der Massenfertigung einen nicht enden wollenden Schwall von Neuproduktionen erzeugt, deren gemeinsames Charakteristikum darin besteht, nicht wirklich neu zu sein, sondern nur neu aufbereitet, um wenigstens neu aufzufallen. Was aus der Masse herausragt, muss noch auffälliger sein als das Bisherige. Das wird vor allem durch noch höheren Aufwand erreicht, finanziell und technisch.
So großartig die Performance auch sein mag, so gewöhnlich ist sie auch. Ich bin sie allzu gewöhnt. Mir ist nach Neuerem. Die Dominanz des Pop-Paradigmas in christlichen Kreisen scheint mir mehr assimilierende Reaktion auf den Mainstream zu sein als herausfordernd neue musikalische Antwort auf die Wunder Gottes. Wunder sind Außergewöhnlichkeiten, mithin auch Anstößigkeiten. Denkanstöße. Wunder kommen quer. Wie mag sich Musik in der Kirche anhören, die vom Wunderbaren und Wundersamen der Wege Gottes durchtönt ist? Bekanntlich sind die Wege Gottes weniger Mainstream als schmaler Pfad. Und in der Regel bedürfen die Wegweisungen Gottes des aufmerksamen Hinhörens.
Die neuen Wege Gottes sind von jeher gewöhnungsbedürftig, und immer, wenn sie ihre Außergewöhnlichkeit verlieren, erneuern sie nicht mehr. Es bleiben bequeme Bahnen der Tradition, mag sie sich auch noch so fortschrittlich geben - Fortschrittstraditionalismus: Alles bleibt beim Alten, indem immer Neues produziert wird. Fließbandtraditionalismus. Wahre neue Wunder geschehen dort nicht mehr. Damit es nicht langweilig wird, werden darum alte Wunder reinszeniert. Oder das, was man dafür hält.
Wahre Wunder erregen unser Aufsehen, indem wir den Blick wieder nach oben richten. Indem uns wieder bewusst wird, dass es Höheres gibt als Masse. Wenn die Masse die Norm gibt, ist das Höhere unpopulär.
Es hat mir gefallen, was Ian Anderson, in die Jahre gekommenes legendäres Haupt der Kultband Jethro Tull, die in den 60er Jahren zu den Innovatoren des Electric Blues gehörte, tat und sagte, als er im Schwetzinger Schloss, einem außergewöhnlichen Zentrum musikalischen Fortschritts in Spätbarock und früher Klassik, im unzähligen Konzert zum unzähligsten Mal den Hit “Bourrée” von einer ihrer ersten Platten ansagte - die verjazzende Rezeption eines Stücks für Laute von J.S. Bach. Ian Anderson streckte Arm und Zeigefinger zum Himmel hinauf und erwies dem großen Meister bescheiden seine Reverenz.
In der Tat: So gut es mir gefallen hat bei Jethro Tull, es gibt Höheres. Andersons Hinweis war angemessen: Es gibt wahrlich Größeres und Besseres als Jethro Tull, und er Unterschied ist durchaus himmelweit. Es gibt Bewundernswertes. Horizonterweiterung. Musik, die neu das Wundern lehrt. In der sich etwas spiegelt vom Glanz göttlicher Majestät, ihres Schreckens und ihrer Schönheit. Musik, die nicht nur mitreißt, sondern die auch mitnimmt.
Hiob fand aus der tiefsten Lebenskrise neu zu sich selbst und zu Gott, als der Wettersturm sein Aufsehen erregte. Er hörte die Stimme Gottes heraus. Er blickte auf. Er sah die Welt mit neuen Augen. Und neu wandte er sich ihr zu, neu dem Leben, derselbe Hiob, der den Tag seiner Geburt verflucht hatte. Das Hiobswunder. Davon singt das neue Lied. Dahin nimmt es mit.
Hans-Arved Willberg
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Wort zur Woche
19.5.2011 von Hans-Arved Willberg.
Jubilate
Wochenspruch: “Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur. Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.” 2. Korinther 5,17
Leitmotiv: Die neue Schöpfung
Wie komme ich in Christus hinein? Indem ich nicht an ihm vorbei gehe. Indem ich mich für ihn interessiere. Indem ich hinhöre. Dazu muss ich still werden. Sehr gut geeignete Räume dafür sind zum Beispiel Kirchen.
Wer in die die Kirche geht, kommt dadurch noch nicht automatisch in Christus hinein. Aber doch in den Raum der Begegnung mit ihm. Daraus kann Verinnerlichung werden, mystische Gemeinschaft: Er in mir und ich in ihm. Gemeinschaft des Vertrauens, tiefe innere Verbundenheit.
Die russische Intellektuelle und Frauenrechtlerin Tatjana Goritschewa erzählt von einer Gottsucherin, die mit Yoga meditierte, am liebsten in Kirchenräumen, weil sie die Atmosphäre dort besonders hilfreich fand. Das meditative Achtgeben im Kontext Kirche schloss sie für das Geheimnis des christlichen Glaubens auf: Sie kam in die Kirche und sie kam darüber in Christus hinein. Tatjana Goritschewa selbst war es ganz ähnlich gegangen: Ihr Yogalehrer hatte ihr das Vaterunser als Mantra gegeben. Durch das intensive Meditieren des Bibelwortes ging es ihr auf. Neues begann: Sie wurde Christ.
Das Geheimnis des Glaubens lässt sich nur von innen her erschließen. Betrachte die Fenster eines alten Doms von außen: Du siehst graue, nichtssagende Scheiben. Gehe in die Kirche hinein und betrachte sie von innen: Sie strahlen bunt, nehmen dich in den Bann, erzählen ihre Geschichten.
Hans-Arved Willberg
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Wort zur Woche
11.5.2011 von Hans-Arved Willberg.
Miserikordias Domini
Wochenspruch: “Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.” Johannes 10,11.27.28
Leitmotiv: Der gute Hirte
Mein Vater war Pfarrer. Den Nachbarskindern hatten ihre Eltern beigebracht, sie sollten “Herr Pastor” zu ihm sagen. Vielleicht, weil es auch noch einen richtigen Pfarrer gab im Dorf, ihrer Ansicht nach, den katholischen. Das Wort “Pastor” gab es aber nicht im oberbayrischen Wortschatz der Nachbarskinder. Darum sagten sie “Herr Passt auf” zu ihm. Was wahrscheinlich eher kein Kompliment war.
Es kommt eben darauf an, wie man aufpasst. Die erste Christenheit war der Meinung, Aufpasser seien für die Gemeinde sehr wichtig. Und sie richtete dafür eines der ersten kirchlichen Leitungsämter ein: Den Episkopos. Das ist griechisch und heißt auf Deutsch: “Aufseher”. Aufpasser. Daraus wurde in unserer Sprache der “Bischof”.
Im Lateinischen ist der Episkopos ein “supervisor”. “Super” heißt “drüber” und “visor” heißt “Schauer”. “Aufseher” also. Aufpasser.
Pastoren und Bischöfe als Supervisoren. Eine interessante Begriffsfüllung, oder? Was machen denn Supervisoren? Begleiten, unterstützen, empathisch zuhören, ermutigend rückmelden, Struktur in scheinbar hoffnungslose Problemknäuel bringen, Konfliktlösungen moderieren. Von außen draufschauen, Übersicht gewinnen, wenn möglich die Vogelperspektive. Damit auch die Supervisanden wieder den Überblick bekommen. Und selbst wieder einen Weg finden.
Aber nicht von oben herab. Nicht, um wie der Habicht alles zu kontrollieren, damit auch ja kein Mäuschen entkommt. Nicht als Oberkontrolleure. Nicht aus Misstrauen.
“Hirten”, Leiter, Pastoren, um anderen zu helfen, ihre Arbeit gut tun zu können. Leitung als Dienst. Andrew Grove fällt mir ein. Er hat Intel gegründet, zum Weltmarktführer in der Mikrochipbranche gemacht und ein lesenswertes Buch über Leiterschaft geschrieben. Ich blättere mal drin, um ein paar der wirklich guten Zitate zu finden, die Führung als Dienst für andere beschreiben, damit sie ihre Arbeit lieber, besser und erfolgreicher machen. Als einen Schlüssel zum Erfolg betrachtet Grove zum Beispiel das Mitarbeitergespräch. Wozu? “Das wichtigste Kriterium dafür, daß etwas besprochen werden muß, ist, daß das Thema den Mitarbeiter stark beschäftigt und an ihm nagt.” Dementsprechend sieht er die Rolle des Chefs in einem solchen Gespräch: “Er sollte es dem Untergebenen erleichtern, das auszudrücken, was vor sich geht und was ihm zu schaffen macht. Der Vorgesetzte ist in dem Meeting, um zu lernen und zu coachen.” Hey, das tut richtig gut. Da wächst Vertrauen. “Ein Vorgesetzter sollte Mitarbeiterbesprechungen nie zum Dozieren benutzen - das ist der sicherste Weg, eine freie Diskussion zu verhindern und damit den Hauptzweck des Meetings zu untergraben.” Er soll sich als Moderator verstehen. Er ist dafür verantwortlich, “eine Umgebung zu schaffen, in der sich motivierte Mitarbeiter entfalten können.”
So sind gute Hirten. Sie passen auf, indem sie Sorge dafür tragen, dass es dem einzelnen Mitarbeiter gut geht. Gerade das bringt den besten Erfolg. Angst blockiert, Vertrauen setzt Potenziale frei. Das ist doch eigentlich sonnenklar. Aber in manche Köpfe scheint das einfach nicht hineinzugehen. Weil diese Machtmenschen selbst von der Angst getrieben sind. Wirklich, man sollte ihnen nicht gehorchen. Aber dazu braucht es Mut. Der Beste aller Hirten hat ihn gehabt. Er will uns Vorbild sein.
Hans-Arved Willberg
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